|
Story/cover: Lee Hing Chyun Diu Ling
Photographs: Paang Zi Man Leung Zou
Vor zehn Jahren wurde Hong Kong an China zurückgegeben.Der internationale Star Chow Yun-Fat diskutiert die Rückkehr zu China, nicht mit Begeisterung, aber mit starken Gefühlen aus tiefstem Herzen. Er macht sich Sorgen um die Menschen in Hong Kong. Wie viele Hongkonger sucht Chow Yun-Fat ein ganz ‘normales’ Leben: ruhig, zufrieden leben und arbeiten zu können. Wenn er Zeit hat, wandert er mit seiner Kamera auf der Schulter zwischen Hügeln und Meer, auf der Suche nach Fotomotiven .
Dieser Sohn Hongkongs ist auf Lamma aufgewachsen und obwohl er viel in der Welt herumgekommen ist, liegt ihm Hong Kong sehr am Herzen.
Vor 1997 haben viele Hongkong verlassen, weil sie sich Sorgen um die Zukunft gemacht haben.Einige hatten Angst davor, was mit ihrem Vermögen unter dem Kommunismus passieren würde. Fat Go wurde gefragt, ob er über diese Situation besorgt war. Er antwortete: “ Ich habe mir nie Sorgen um das ‘97’er Problem gemacht. Es ist mir nie eingefallen, auszuwandern. Ich erinnere mich daran, daß Deng Xiao Ping noch zu seinen Lebzeiten gesagt hat, daß sich China darauf konzentrieren muß, der Wirtschaft Vorrang zu geben. Man muß zuerst die Küstengebiete aufbauen, dann eine Mittelschicht einführen, und die Auswanderer der ‘zweiten Generation` , die im Ausland zu Kapitalisten wurden, überzeugen, sich der Partei anzuschließen. Das wäre der Beweis, die wirtschaftliche Entwicklung große Bedeutung hat. Es wird keine großen Probleme geben, und auch keine Überraschungen.”
1994 ließ Chow Yun-Fat alles in Hong Kong hinter sich und ging nach Hollywood. Geld hatte er schon genug, aber es ging ihm nicht ums Geld, er wollte neue schauspielerische Erfahrungen sammeln.
“ Es war sehr seltsam. 1990 in Hong Kong hielten sie mich für einen jungen Mann. Ich wurde erst vierzig. Als ich zurückkam, nannte man mich ‘Ah Suk’ (was Respekt vor einem älteren Mann zeigt) oder `Lou Dau` (Papa) . Eigentlich ist es gut, wenn man ‘Ah Suk’ sagt, aber ich will nicht, daß es zu schnell geht, ich will noch ein bißchen länger spielen und als ‘junger Mann’ betrachtet werden. In Hollywood ist meine Jugend schnell vorbeigegangen.“
Wir fragten Fat Go: hat er nach 10 Jahren in Hollywood viel Geld verdient? Er lachte, und sagte, daß er noch viele Jahre gut finanziell abgesichert ist. Als Schauspieler hat er ein neues Niveau erreicht. Wenn es passende Rollen gibt, wird er noch mit achtzig Jahren drehen. Wenn er in Filmen aus Hong Kong und China spielt, ist er hundertprozentig hilfsbereit bei der Zusammenarbeit mit anderen Schauspielern.
Er sagte lachend: ” Ich würde gerne zurückkehren und Filme machen, egal wie groß die Rolle ist. Ob Hong Kong, im Ausland , Japan oder Indien, ich bin bereit, dort Filme zu drehen. Die Schauspielerei ist meine Arbeit. Das ist mein Beruf. Ich kann nicht nur in Hong Kong arbeiten, ich muß auf der ganzen Welt arbeiten.”
Ost-West Unterschiede
In den letzten Jahren hat Fat Go drei neue Filme im Mainland (China) gedreht. “ Der Fluch der goldenen Blume” hat sehr viel Geld in China eingespielt, aber Chows Vertrag nach ‘amerikanischer Art ‘ verursachte Mißverständnisse. Chow meint, daß kulturelle Unterschiede unvermeidbare Schwierigkeiten hervorrufen.
Er sagte:“Oberflächlich gesehen holt China mit der Welt auf, aber ein ‘Insider’-Teil in China ist noch nicht damit einverstanden. Man kann ihnen nicht die Schuld geben, weil wir früher von der Welt abgetrennt waren. Gib ihnen Zeit! Die Chinesen lernen schnell. In der Zukunft werden sie vorangehen. Wenn ein Schauspieler eine Rolle spielt, spielt er am Anfang oberflächlich, aber mit der Zeit strömt alles aus dem Herzen.“
In den letzten zehn Jahren hat er an verschiedenen Orten Filme gedreht und er war nur gelegentlich in Hong Kong. Aber Fat Go und die Einwohner Hong Kongs haben gemeinsam diesen wichtigen Zeitpunkt in der Geschichte miterlebt. Fat Go kann den 1. Juli 1997 kaum vergessen, als Hong Kong zu China zurückkehrte. Er und die Hongkonger haben den Einmarsch der chinesischen Volksarmee in Hong Kong gesehen, als sie dort stationiert wurde...
Das hat ihn tief beeindruckt.
Die SARS - Krise 2003 hat ihn tief erschüttert, die Einwohner von Hong Kong wurden schwer getroffen, und gleichzeitig starben zwei gute Freunde von ihm – Cheung Gwok Wing (Leslie Cheung) , und kurz danach Mui Yim Fong (Anita Mui). Diese Ereignisse sind noch frisch in seinem Gedächtnis: “ Go Go (älterer Bruder) und Ah Mui, meine besten Freunde, sind gestorben. Das lag wie ein Schatten auf mir. Diese Tage waren schwer zu überleben, besonders wegen der SARS –Krise. Jeden Tag hörten wir Nachrichten von einem neuen Epidemie Gebiet, das abgesperrt werden mußte. Ich fühlte mich sehr hilflos. Das menschliche Leben ist so zerbrechlich!”
Fat Go meint, daß er die ganzen Probleme der letzten 10 Jahren auch gemeinsam mit den Hongkongern bewältigt hat.
“Das Einzige, was ich machen kann, ist fleißig arbeiten, Steuer bezahlen, mich um meine Gesundheit kümmern, und auf diese Art meinen Beitrag zu leisten. “
Fat Go wird mit amerikanischen Dollars bezahlt, aber er will nur ein ganz einfaches Leben führen - dreimal pro Tag eine gute Mahlzeit, warme Kleidung und er ist zufrieden.
Viele Schauspieler nehmen an Wohltätigkeitsveranstaltungen teil, viele Stars gründen irgendeine Stiftung, um der Gesellschaft etwas zurückzugeben und gleichzeitig armen Leuten zu helfen. Chow Yun-Fat ist von Natur aus bescheiden und sagte: “ Das muß ich nicht unbedingt selbst machen. Laßt Sing Lung, Lee Lin Kit, Lau Dak Wa das machen - sie können das. Ich bin nicht gut bei solchen sozialen Engagements, aber trotzdem unterstütze ich sie im Hintergrund“.
Chow Yun-Fat ist bekannt dafür, daß er keinerlei Starallüren hat. Deswegen begrüßen ihn die Leute herzlich, egal wohin er geht. Fat Go wurde gefragt, ob er je ein ’Dak Sau’ ( ein ‘besonderer Leiter’) werden wollte.
“Ich?? Ein `Dak Sau` ? Ich bin nicht fähig dazu. Ich habe keine Führungsqualitäten. Wenn die Zeit zum Handeln käme, würde ich wahrscheinlich in Ohnmacht fallen! Die Politik und die Regierung interessieren mich nicht. Jeder Mensch hat seine Stärken, und nicht jeder kann schauspielern. Ich spiele seit circa 20 Jahren. Ich spielte Kaiser, große Helden, Bettler… ich habe viele Rollen gespielt, obwohl ich die Rolle des Bettlers nicht gern gespielt habe.”
Familienleben
Wenn Fat Go nicht gerade beim Drehen ist, dann kehrt er nach Hong Kong zurück und besucht seine Mutter. Er verbringt seine Zeit mit ihr, oder nimmt seine Kamera und geht mit einigen Freunden die Natur fotografieren. Oder fährt er mit dem Rad zum Kowloon Markt, um Lebensmittel zu kaufen und anschliessend zu kochen. Er lebt also ganz normal.
Er sagt : “ Das Leben im Rampenlicht ist ganz normal, die ganze Geschichte mit der Presse ist Routine, also was hat man von diesem glanzvollem Leben? Zeit ist wertvoller als Geld! Man kann das heutzutage in den Familien sehen – zwischen Vätern und Müttern, zwischen Söhnen und Töchtern gibt es einen Kommunikationsmangel. Ehrlich gesagt, dreht sich das alles ums Geld. Die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern sind viel schwächer geworden.”
Wenn er nicht drehen muß, kehrt er deshalb immer nach Hong Kong zurück, um wieder mit Fat Ma zusammenzukommen und gemeinsam mit ihr Tee trinken zu können.
Für Chow Yun-Fat ist das Familienleben sehr wichtig und er beobachtet den Zustand der anderen. Er findet es sehr bedauerlich, daß viele Leute in Hong Kong ihr ganzes Leben damit kämpfen, eine Wohnung zu bekommen. Fat Go macht sich Sorgen, daß 150,000 Menschen in Hong Kong an der Armutsgrenze leben. Er wünscht sich, daß die Regierung diese Schicht der Gesellschaft verstehen und Mitleid zeigen könnte und ihr Leben verbessern könnte.
Er sagt auch: “ Bei oberflächlicher Betrachtung ist Hong Kong eine Stadt von Hochhäusern, eine an Reichtum gewohnte Stadt, ein Freihandelshafen, die sich immer weiter entwickeln will. Aber mitten drin gibt’s schon die Warnzeichen…”
|